Wools of Europe auf der L´Aiguille en Fête 2013 in Paris

 

Vom 13.-17.02 1013 fand die zehnte Auflage der französischen Handarbeitsmesse L´Aiguille en Fête in Paris statt. Der diesjährige Schwerpunkt lag auf dem Thema „Masche“, so dass alles, was mit Stricken und Wolle bzw. Wollverarbeitung zu tun hat, vertreten war. Für viele sicherlich ein Höhepunkt: der über 4 Tage dauernde Schnellstrickwettbewerb mit 450 Teilnehmern. Die Messe war dieses Jahr aus Platzmangel in eine größere Ausstellungshalle umgezogen, was sie aber nicht davor bewahrte Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden. So hatte sich die Besucherzahl bereits am zweiten Tag um 50% zu den 40.000 Gesamtbesuchern vom im Vorjahr erhöht. Somit schoben sich große Besucherströme durch die Gänge und ein zielgerichtetes Aufsuchen einzelner Stände wurde fast unmöglich. Dennoch fanden sehr viele Besucher den Weg zu den Ausstellungen, denen ein großer Teil der Messehalle vorbehalten war. Diese umfassten u .a. gehäkelte Wandbilder, Filzarbeiten, eine Kopie des Wandteppich von Bayeux, gestrickte Puppen in Miniaturformat u .v. m.  Den mit 250qm größten Ausstellungsteil nahm „Wools of Europe“ ein.

Die Ausstellung Wools of Europe ist ein Gemeinschaftswerk von Consorzio Biella the Wool Company und L´Atelier-Laine d´Europe, welches 1989 gegründet, die Interessen von Schafzüchtern, wollverarbeitenden Betrieben, Wollkünstlern und Handarbeitern aus ganz Europa koordiniert. 2010 wurde die Ausstellung zum ersten Mal in der Bergerie in Rambouillet gezeigt. Bei der Ausstellung handelt es sich um eine Wanderausstellung mit Hauptstandort Biella, die bereits an verschiedenen Orten Europas zu sehen war. Die Ausstellung umfasst annähernd 100 Schafrassen aus 27 Ländern, die jeweils mit Foto in einem zweisprachigen Kurzportrait vorgestellt werden. Eine große Europakarte hinter einem großen Wollvlies zeigt die Herkunftsländer und Regionen der einzelnen Schafrassen. Die meisten Schafrassen (15) stammen aus Frankreich, gefolgt vom United Kingdom und Italien (mit jeweils 9 Rassen). Deutschland ist mit 5 Schafrassen vertreten, manche Länder nur mit einer Rasse, von ca. 10 Ländern Europas gibt es leider, wohl aufgrund fehlender Kontakte, weder typische Vertreterrassen noch typische Produkte, die aus Wolle hergestellt werden.
Die Beschreibungen der Rassen befindet sich auf großen Plakaten, unter denen eine durchsichtige Tüte mit reichlich Wolle angebracht ist, so dass der Besucher die Faser in ihrer Eigenart sowohl sehen und als auch begreifen kann. Oft befindet sich ein aus der jeweiligen Wolle gefertigtes Produkt, z.B. Tuch, Decke, direkt daneben.
Die Ausstellung war diesmal geordnet nach der Art der Verarbeitung der Wolle: Strickwaren, Teppiche, Filzarbeiten, (industrielle und handgearbeitete) Webstücke, „unsichtbare Wolle“. Durch diese Aufteilung hingen oft lange glatte, eher rauhe Fasern neben fein gekräuselten Fasern, was für die Besucher sicher einen hohen Reiz ausmachte, diese Unterschiede derart deutlich zu sehen und auch anfassen zu dürfen. Manche Schafrassen wie das Bizet aus Frankreich oder das Jütland Moorschaf waren gleich in mehreren Kategorien vertreten.
Interessant war auch, wer wie welche Faserqualität verarbeitet. Die relativ feinen Wollen von Romney Marsh aus Tschechien mit 28-34 micron und die mittelfeine Wolle des Ostfriesischen Milchschafs mit 32-38 micron werden in der Schweiz ebenso zu Teppich verarbeitet wie die rauhfaserige Wolle der vom Aussterben bedrohten Brigasque in Frankreich oder der Pecora Sarda in Italien.
Das größte Micron-Spektrum dürfte das Faröer-Schaf aufweisen: 12 (am Hals) bis 80 (an der Hinterhand). Aber auch andere europäische Rassen weisen sehr feine Fasern auf wie das Shetland (12-30),  das italienische Gentile di Puglia (19-23), das braune Marina Preta aus Portugal (18-25), das schwedische Jämtlandsfar (17-27) oder die Mérinos de Rambouillet (18-20) und viele andere mehr. Auch der Vergleich der unterschiedlichen Merinoarten ist in diesem Zusammenhang ein lohnender und in Rahmen der Ausstellung sehr gut möglich, da sowohl  die ursprüngliche spanischen Ausgangsrasse als auch verschiedene regionalen Merinorassen vertreten sind.
Ein Film zu Beginn der Ausstellung weist den interessierten Besucher in die unterschiedlichen Verarbeitungsprozesse ein: von der Schur, über das Waschen der Wolle, Kardieren, Spinnen (mit Spindel, unterschiedlichen Spinnrädern und der Maschine) zu  Stricken und Filzen und bis hin zum Weben.  
Sehr anschaulich sind die hergestellten Produkte: Gebrauchsgegenstände wie Bettdecken (Blanche du Massif Central, Spiegelschaf), Dämmstoffe (Rava), Kissen, Taschen, Sessel und Bänke (Walliser Schwarznasen), Plaids (Merino), Kleidung wie Pullover (Coburger Fuchsschaf, Alpines Steinschaf, Brun Noir du Pays, Thônes et Mathod), Mützen (Jütland Moorschaf), litauische Filzschuhe,  elegante italienisch Jacken aus dem Aostatal (Rosset) und französische Tracht aus den Alpen (Comunes des Alpes) oder der Wind und Regen abweisende Schäfermantel (Lacaune).
Daneben befinden sich jede Menge kunstvoll gefilzte Arbeiten wie das aufwendig pompöse  Kleid der Marie Antoinette aus Wolle der Ile de France oder die im Kontrast dazu stehenden kleinen gefilzten Steine aus Wolle der katalanischen Aranesa. Dazwischen kunstvolle Lampen und Westen.
Hier wird auch ein weiterer Aspekt der Ausstellung deutlich: die Verarbeitung heimischer Wolle. So gehen viele der ausgestellten Produkte auf Initiativen zurück, angestammte regionale Schafrassen und wollverarbeitende Betriebe an Leben zu erhalten bzw. sie einem breiterem Publikum bekannt zu machen und neue Vermarktungsmöglichkeiten zu erschließen.
 
Der sehr ausführliche Ausstellungs-Katalog gibt auf mindestens einer Doppelseite in der jeweiligen Landessprache und auf  Englisch eine Beschreibung der Schafrasse, Herkunft und oft die Populationsgröße an; daneben stehen die Angaben zur Wolle wie Stapellänge und Micronwert; wenn auch letzterer leider nicht bei allen Schafrassen. Ebenfalls finden sich dort Informationen und Adresse zu Zuchtverbänden und zu den wollverarbeitenden Betrieben und Initiativen.
Eine kleine Auswahl von 5 Vermarktern konnte ihre Produkte im Rahmen der Ausstellung vorstellen und an die interessierten Verbraucher bringen: isländische Lacegarne mit Strickanleitungen, aus Frankreich gefärbte Garne vom Land und Wolle der Schafrassen aus den Seealpen und natürlich hatte das Consorzio aus dem italienischen Biella eine große Auswahl Wolle dabei. Nathalie Ketterle vertrieb Garne und Wolle von Coburger Fuchsschaf, Alpinen Steinschaf und Bergschafen.

Fazit: für Schaf- und Wollinteressierte und eine sehr lohnende und aufschlussreiche Ausstellung, die hoffentlich bald in Deutschland zu sehen sein wird.
Von den von der GEH geführten Rassen sind bei Wools of Europe vertreten: Coburger Fuchsschaf, Alpines Steinschaf, Rauhwolliges Pommersches Landschaf, Ostpreußische Skudde und Waldschaf (für Österreich). Hier hatten sich vor allem Nathalie Ketterle, Verena Täuber und Dr. Christian Mendel eingesetzt, dass diese Rassen aufgenommen werden konnten.

Literatur: Wools of Europe - Ausstellungskatalog, farbig, 2. Auflage, 256 Seiten, zu beziehen über die GEH-Geschäftsstelle.

Autorin: Gabriele Rüppel

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