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Zucht - aktive Zucht

Auf dieser Seite wollen wir Euch verraten, was der Augustinermönch Gregor Johann Mendel erforschte und wie wir diese Kenntnisse gezielt einsetzen können. Vielleicht muß man das folgende auch 2 - 3 mal lesen um es richtig zu verstehen, das ging uns genau so.

Zunächst 2 kleine Begriffe und Erläuterungen dazu die sehr wichtig sind:

Achtung wichtig - bitte merken !!!

Dominant heißt das starke Gen, das sich bei der Vererbung durchsetzt
Rezessiv heißt das schwache Gen, das bei der Vererbung von dem dominanten Gen unterdrückt wird.

In den folgenden Erläuterungen wird eine Eigenschaft (z.B. die Farbe weiß) einfach nur durch einen Buchstaben z.B. "T" dargestellt. Dieser Buchstabe kann groß geschrieben werden oder er wird klein geschrieben.
Wenn z.B. das Gen (Träger der Erbinformation) des Muttertieres dominant gegenüber dem Gen des Vatertieres ist wird es groß geschrieben "T".
Wenn z.B. das Gen (Träger der Erbinformation) des Muttertieres rezessiv gegenüber dem Gen des Vatertieres ist wird es klein geschrieben "t".


1. Mendelsches Gesetz:

Und schon kommen wir zum 1. Mendelschen Gesetz (auch Uniformitätsgesetz oder Reziprozitätsregel), an dem wir das bisherige an Beispielen erklären.
Mendel nahm für seine Versuche Erbsenpflanzen. Er hatte großwüchsige und kleinwüchsige Erbsenpflanzen sowie bei den Blütenfarben dieser Pflanzen weiße und rote zur Verfügung. Mit diesen Pflanzen unternahm er Kreuzungsversuche durch künstliche Bestäubung.
Als erstes kreuzte der die großwüchsigen und kleinwüchsigen Pflanzen einer Farbe (z.B. beide rot) untereinander.
(Die Eigenschaft großwüchsig bekommt den Buchstaben A großgeschrieben und die Eigenschaft kleinwüchsig den Buchstaben a kleingeschrieben)

A x a (das x heißt gekreuzt)

In der Mathematik wird das Ergebnis, was bei dieser Kreuzung herauskommt, ganz einfach so geschrieben: Aa (das Malzeichen der Punkt oder das Kreuz wird einfach weggelassen).
Also das Ergebnis Aa konnte 3 Formen annehmen.
  1. Eine großwüchsige Erbsenpflanze
  2. Eine kleinwüchsige Erbsenpflanze oder
  3. Eine mittelwüchsige Erbsenpflanze
Das als Ergebnis immer nur großwüchsige Erbsenpflanzen bei der Kreuzung einer großen mit einer kleinen Pflanze herauskamen, musste sich bei der Vererbung das Gen der großwüchsigen Pflanzen durchgesetzt haben und das der kleinwüchsigen hatte keine Chance.
In diesem Falle bekam das Gen der großwüchsigen Erbsenpflanze auch den Buchstaben A großgeschrieben und das Gen der kleinwüchsigen Pflanze das kleine a zuerkannt.
Also das Gen der großwüchsigen Pflanzen A war das dominante Gen und umgekehrt der kleinwüchsigen Pflanzen a das rezessive Gen.
Anmerkung: Wäre das Gen der kleinwüchsigen Erbsenpflanze dominant gewesen, so wären als Ergebnis der Kreuzung immer nur kleinwüchsige Erbsenpflanzen herausgekommen.
Daraus schloss Mendel, daß wenn man reinerbige Pflanzen miteinander kreuzt, die sich in einer Eigenschaft (Wuchs) unterscheiden, in der ersten Generation immer nur das dominate Gen durchsetzt. Da dies in unserem Beispiel bei den großwüchsigen Pflanzen lag, konnten niemals kleinwüchsige Erbsenpflanzen als Ergebnis zustande kommen. Die Vererbung geht also nicht nach männlich oder weiblich, so dass sich immer das männliche Gen durchsetzt, sondern nach der Dominanz die bei dem männlichen oder weiblichen Elternteil liegen kann.
In weiteren Versuchen kreuzte Mendel dann die 1. Nachwuchsgeneration der Erbsenpflanzen auch wieder untereinander woraus das 2. Mendelsche Gesetz entstand.
Wichtig ist noch zu sagen, dass diese Regel nur für reinerbige Pflanzen gilt. Bei der Verwendung von mischerbigen Pflanzen könnten bei der 1. Generation auch mittelwüchsige Pflanzen entstehen. Oder bei Kreuzung rot mit weiß zum Beispiel die Farbe rosa.


2. Mendelsches Gesetz: (auch Spaltungsgesetz genannt)

Wie gesagt, kreuzte Mendel nun die Pflanzen der ersten Generation untereinander und das führte zu folgendem Ergebnis:

Aa x Aa (das x heißt gekreuzt)

Mathematisch aufgelöst muß jetzt jeder einzelne Buchstabe des 1. Multiplikanden mit jedem einzelnen Buchstaben des zweiten Multiplikanden malgenommen werden.

Also:

A x A = AA      = reinerbig großwüchsig
a x A = Aa = mischerbig großwüchsig
A x a = Aa und = mischerbig großwüchsig
a x a = aa = reinerbig kleinwüchsig

Bei jeder Paarung setzt sich das dominante Gen (das große A) durch, und somit die großwüchsige Pflanze. Daraus folgt, das wir 3 großwüchsige Pflanzen erhalten, wobei 1 großwüchsige Pflanze reinerbig wird (AA) und zwei großwüchsige Pflanzen (Aa) die aber mischerbig sind.
Nur bei der 4. Paarung (aa) folgt als Ergebnis eine kleinwüchsige Pflanze die reinerbig ist.

Das Verhältnis was erzielt wird, ist 3 großwüchsige Pflanzen zu 1 kleinwüchsigen Pflanze, also 3:1

Jetzt war der Beweis erbracht, dass das rezessive Gen (das Gen welches sich nicht durchsetzt) nicht verloren gegangen war, sondern im Erbgut weiter vorhanden war und nur in der 1. Nachwuchsgeneration nicht zum Tragen kam.

Daraus wurde das 2. Mendelsche Gesetz (Spaltungsgesetz) folgendermaßen formuliert:

Die Nachkommen von mischerbigen Kreuzungen spalten sich auf und sind nicht mehr gleichförmig. Das Zahlenverhältnis liegt bei 1 : 2 : 1

1mal reinerbig groß   :   2 mal mischerbig auch groß   :   1 mal reinerbig aber klein


Wäre die Eigenschaft die Farbe gewesen z.B. rot dominant und weiß rezessiv, so kämen als Nachzucht in der 1. Generation nach der 1.Mendelschen Regel nur rote Blüten zustande und in der 2.Generation nach der 2. Mendelschen Regel als Nachzucht 3 rote Pflanzen im Verhältnis zu 1 weißen Pflanze zustande.

Diese beiden Mendelschen Regeln besagen also auch: Rezessive Gene gehen nicht verloren. Es sind immer 2 Teile vorhanden, die für die Ausbildung der Eigenschaft verantwortlich sind (z.B. 1 dominantes und 1 rezessives Gen). Da immer 2 Teile vorhanden sind, lassen diese sich auch immer wieder aufspalten. Gene sind in Körperzellen immer doppelt vorhanden, aber beim Zeugungsprozess wird jeweils nur 1 Gen pro Keimzelle (Eizelle und Samenzelle) weitergegeben. Daraus resultiert nach der Vereinigung wieder, dass zwei Gene vorhanden sind.


3. Mendelsches Gesetz:

Mit den bisherigen Kenntnissen unternahm Mendel weitere Versuche und züchtete Erbsenpflanzen z.B mit 2 verschiedenen Eigenschaften weiter.
Er nahm großwüchsige Pflanzen mit roten Blüten und kleinwüchsige Pflanzen mit weißen Blüten, die er miteinander kreuzte.

Diese Pflanzen waren jeweils reinerbig:

Reinerbig großwüchsig + reinerbig rot gekreuzt mit Reinerbig kleinwüchsig + reinerbig weiß
(AA) (BB) x (aa) (bb)

A steht für großwüchsig dominant gegenüber kleinwüchsig a
B steht für rot dominant gegenüber weiß b

In der ersten Generation konnten jetzt nur mischerbige Nachfolger herausgezüchtet werden (1.Mendelsches Gesetz), wobei sich aber 1. das großwüchsige und 2. die rote Blütenfarbe aufgrund des dominanten Gens durchsetzte. (AaBb).

Diese Nachwuchspflanzen der 1. Nachwuchsgeneration kreuzte Mendel miteinander:

(Aa) (Bb) x (Aa) (Bb)

Bei jeder der Elternpflanzen die zur Kreuzung genommen wurden, waren somit folgende Kombinationen für die Geschlechtszellen möglich:

AB Ab aB ab

Wenn man diese Kombinationsmöglichkeiten (und zwar jeweils nur eine) mit sich selbst kreuzt ergibt das Folgendes

Ergebnis unsortiert

AB Ab aB ab x AB Ab aB ab

AB Ab aB ab
AB ABAB ABAb ABaB ABab
Ab AbAB AbAb AbaB Abab
aB aBAB aBAb aBaB aBab
ab abAB abAb abAB abab

Die Buchstaben werden jetzt noch nach dem Alphabet sortiert und der große Buchstabe kommt vor dem kleinen Buchstaben, d.h. ABAB wird zu AABB und ABab wird zu AaBb.

Ergebnis sortiert

AB Ab aB ab x AB Ab aB ab

AB Ab aB ab
AB ABAB AABb AaBB AaBb
Ab AABb AAbb AaBb Aabb
aB AaBB AaBb aaBB aaBb
ab AaBb Aabb aaBb abab

Jetzt reicht es aber, oder? Das 3. Mendelsche Gesetz ist nun mal komplizierter. Aber man sieht im Kasten oben, es gibt 16 Ergebnisse bzw. Kombinationsmöglichkeiten, wenn man die 1. Tochtergeneration mit 2 Eigenschaften kreuzt.

Da es hier um die Erbsenpflanzen geht, führen wir nun mal die 16 Ergebnisse auf:Aussehen der Pflanze
01AABBreinerbig großwüchsigreinerbig rotO
02AABbreinerbig großwüchsigmischerbig rotO
03AABbreinerbig großwüchsigmischerbig rotO
04AAbbreinerbig großwüchsigreinerbig weißO
05AaBBmischerbig großwüchsigreinerbig rotO
06AaBBmischerbig großwüchsigreinerbig rotO
07AaBbmischerbig großwüchsigmischerbig rotO
08AaBbmischerbig großwüchsigmischerbig rotO
09AaBbmischerbig großwüchsigmischerbig rotO
10AaBbmischerbig großwüchsigmischerbig rotO
11Aabbmischerbig großwüchsigreinerbig weißO
12Aabbmischerbig großwüchsigreinerbig weißO
13aaBBreinerbig kleinwüchsigreinerbig roto
14aaBbreinerbig kleinwüchsigmischerbig roto
15aaBbreinerbig kleinwüchsigmischerbig roto
16aabbreinerbig kleinwüchsigreinerbig weißo

mit
O = groß rot
O = groß weiß
o = klein rot
o = klein weiß


Als Ergebnis bekommt man also im Verhältnis
9 große rote Kreise - große Erbsenpflanzen rote Blüte
3 große weiße Kreise - große Erbsenpflanzen weiße Blüte
3 kleine rote Kreise - kleine Erbsenpflanzen rote Blüte und
1 kleiner weißer Kreis - kleine Erbsenpflanze weiße Blüte

Diese Verhältnis von 9   :   3   :   3   :   1 zeigte sich immer wieder bei den Mendeschen Versuchen als Resultat und ist bei Pflanzen und Tieren gültig.

Wir könnten jetzt als Züchter diese Erkenntnisse einsetzten. Sie kommen aber immer erst in der 2. Generation zustande. Abgesehen davon, dass man Nachkommen nicht miteinander paaren darf (Inzucht). Da man aber die Böcke austauschen kann, sind theoretisch diese Ergebnisse möglich.

Zum Beispiel um braune Alpine Steinschafe zu erhalten, müssten wir Vater und Muttertiere finden, die vielleicht komplett braun sind und deren Farbgen am besten noch dominant ist.
Wir haben das Beispiel braunes Alpines Steinschaf deshalb gewählt, weil so gut wie gar keine braunen Alpinen Steinschafe vorhanden sind, aber in unserer Herde ein braunes Mutterschaf vorhanden ist. Vielleicht findet sich bei irgendeinem Züchter ein brauner Bock. Einen Versuch wäre es wert.
Um mehrfarbige Lämmer zu erhalten, kreuzt man am besten auch mehrfarbige Elterntiere miteinander, da dort die Wahrscheinlichkeit am größten ist, eine farbige Nachzucht zu erhalten. Die Mendelschen Gesetze sind ebenso auf die anderen Eigenschaften und das Aussehen anwendbar.

Diese doch recht schwierigen Grundlagen sollen lediglich zu verstehen helfen, was in der Vererbung abläuft und wie Nachzuchtergebnisse gezielt beeinflusst werden könnten. Deshalb werden für die Zucht Muttertiere und Vatertiere bewertet, bevor sie für die Zucht verwendet werden dürfen.
Hier findet also schon eine bestimmte Auslese statt.




Erstellt durch die EDV-Beratung Martin Steinherr